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by Paul Bijan Coch

Social Bubbles – Was wäre, wenn wir die Menschen um uns herum durch unsere digitalen Gemeinsamkeiten kennenlernen könnten?

Eine Vision für eine neue Generation sozialer Netzwerke, die Menschen nicht länger nur über Bildschirme verbindet, sondern digitale Gemeinsamkeiten in echte Begegnungen verwandelt.

Zeichnung eines Zugabteils: Menschen sitzen mit Kopfhörern an den Fenstern, über ihnen schweben schillernde Seifenblasen mit kleinen Avataren, eine Person schaut auf ein Smartphone mit einer Blasenkarte.

1. Eine Zugfahrt voller unbekannter Gemeinsamkeiten

Stell dir vor, du sitzt an einem Freitagnachmittag im Zug von Hamburg nach Berlin.

Draußen ziehen Wälder, Felder und kleine Ortschaften vorbei. Du hast deine Kopfhörer auf, hörst Musik und scrollst gelegentlich durch Instagram. Um dich herum sitzen Menschen, die du nicht kennst. Manche arbeiten, andere schauen Videos, lesen Nachrichten oder hören ebenfalls Musik.

Vielleicht beschäftigt sich die Person zwei Reihen vor dir mit denselben gesellschaftlichen Fragen wie du. Vielleicht hört jemand am anderen Ende des Waggons gerade denselben Künstler. Oder die Person direkt gegenüber interessiert sich genauso für Architektur, Technologie und nachhaltige Mobilität.

Doch obwohl ihr euch möglicherweise erstaunlich ähnlich seid, werdet ihr wahrscheinlich niemals miteinander sprechen.

Nicht unbedingt, weil ihr kein Interesse an neuen Bekanntschaften habt, sondern weil euch schlicht der Anlass fehlt.

Unsere digitalen Plattformen wissen heute vergleichsweise viel über unsere Interessen. Sie kennen unsere Lieblingsmusik, bevorzugten Inhalte, wiederkehrenden Themen und teilweise sogar unsere täglichen Gewohnheiten.

Diese Informationen werden vor allem genutzt, um uns weitere Inhalte, Produkte oder Werbung zu empfehlen.

Aber was wäre, wenn wir dieselben Technologien verwenden würden, um nicht noch mehr Inhalte, sondern Menschen zu entdecken?

Du öffnest eine App auf deinem Smartphone.

Vor dir erscheint eine helle, transparente Oberfläche mit einem Kreis in der Mitte. Darin befindet sich dein eigener Avatar.

Rundherum schweben kleine, schillernde Seifenblasen. Einige sind fast durchsichtig, andere leuchten in intensiven Regenbogenfarben. Jede enthält das Profilbild oder den individuell gestalteten Animoji eines Menschen in deiner Umgebung.

Die Blasen verteilen sich entsprechend der ungefähren Entfernung und Richtung ihrer Besitzer.

Eine befindet sich nur wenige Meter entfernt. Eine andere auf der gegenüberliegenden Seite des Waggons. Weitere erscheinen in der Umgebung des Bahnhofs.

Eine der Blasen leuchtet besonders intensiv.

Du tippst darauf.

„Ihr hört beide regelmäßig elektronische Musik, interessiert euch für nachhaltige Architektur und habt in den vergangenen Tagen ähnliche Videos über die Zukunft unserer Städte angesehen.“

Darunter steht:

„Gemeinsamkeiten: Musik 92 %, Interessen 84 %, digitale Gewohnheiten 76 %.“

Du lächelst.

Vielleicht sendest du ein kurzes „Hey“. Vielleicht schlägst du einen Song vor. Oder du schließt die Anwendung wieder, ohne irgendetwas zu tun.

Ein paar Minuten später antwortet die Person.

Und aus zwei Fremden wird eine Unterhaltung, die ohne diese kleine digitale Entdeckung möglicherweise niemals stattgefunden hätte.

Genau um diese Möglichkeit geht es bei Social Bubbles.


2. Die Vision: Ein soziales Netzwerk, das uns zurück in die reale Welt bringt

Wir leben in einer bemerkenswert vernetzten Gesellschaft.

Noch nie konnten Menschen so einfach miteinander kommunizieren, Informationen austauschen oder Gemeinschaften über geografische Grenzen hinweg bilden.

Gleichzeitig verbringen wir einen erheblichen Teil unseres digitalen Lebens in algorithmisch kuratierten Informationsräumen.

Wir folgen Menschen, die Tausende Kilometer entfernt wohnen, begegnen täglich den Meinungen fremder Personen und können uns mit nahezu jedem Thema beschäftigen.

Aber die Menschen in unserer unmittelbaren Umgebung bleiben uns oft unbekannt.

Dabei teilen wir mit ihnen bereits etwas Entscheidendes: denselben physischen Raum.

Vielleicht auch ähnliche Interessen, Lebenssituationen oder Zukunftsvorstellungen.

Was wäre, wenn unsere digitale Identität uns helfen könnte, diese Gemeinsamkeiten sichtbar zu machen?

Meine Vision ist eine neue Form sozialer Infrastruktur, die Menschen anhand freiwillig freigegebener Interessen, Musikgeschmäcker und digitaler Gewohnheiten miteinander verbindet.

Nicht ausschließlich zum Dating, zur beruflichen Vernetzung oder zum Austausch innerhalb bestehender Freundeskreise.

Sondern für spontane, ungezwungene Begegnungen im Alltag.

Die Anwendung soll dabei drei Welten zusammenbringen:

Unsere digitale Welt, in der wir Interessen entwickeln, Inhalte entdecken und persönliche Vorlieben ausdrücken.

Unsere physische Welt, in der wir uns bewegen, reisen, arbeiten und anderen Menschen begegnen.

Unsere soziale Welt, in der aus gemeinsamen Interessen Gespräche, Freundschaften, Gemeinschaften und neue Ideen entstehen können.

Das langfristige Ziel ist nicht, Menschen noch stärker an eine Anwendung zu binden.

Es ist beinahe das Gegenteil.

Eine Technologie, die dann besonders erfolgreich ist, wenn Menschen ihr Smartphone wieder weglegen, weil sie jemanden zum Reden gefunden haben.

Warum gerade jetzt?

Mehrere Entwicklungen machen diese Idee zunehmend interessant.

Smartphones besitzen inzwischen leistungsfähige Sensoren und drahtlose Schnittstellen. Musikdienste bieten teilweise autorisierte Zugänge zu individuellen Hörverläufen. Künstliche Intelligenz kann Beziehungen zwischen Interessen erkennen, die über identische Schlagwörter hinausgehen.

Gleichzeitig entstehen neue Fragen über den gesellschaftlichen Wert unserer digitalen Gewohnheiten.

Sollten Informationen über unser Verhalten ausschließlich dazu dienen, unsere Aufmerksamkeit zu vermarkten?

Oder könnten wir sie bewusst dafür einsetzen, unser soziales Leben zu bereichern?

Die technischen Grundlagen sind in Teilen bereits vorhanden. Was fehlt, ist eine überzeugende, datenschutzfreundliche Verbindung dieser Möglichkeiten zu einem gemeinsamen Erlebnis.

Social Bubbles wäre ein Versuch, genau diese Verbindung zu gestalten.


3. Das Produkt: Eine lebendige Karte unserer sozialen Umgebung

Die zentrale Benutzeroberfläche würde sich bewusst von klassischen sozialen Netzwerken unterscheiden.

Keine endlose Timeline. Kein Feed, durch den man stundenlang scrollt. Keine Rangliste besonders beliebter Menschen.

Stattdessen steht eine dynamische Visualisierung unserer unmittelbaren Umgebung im Mittelpunkt.

Eine Welt aus digitalen Seifenblasen

Die eigene Position erscheint als zentrale Blase.

Andere teilnehmende Personen werden durch weitere Blasen repräsentiert, die sich ungefähr entsprechend ihrer räumlichen Beziehung zu uns anordnen.

Ihre Darstellung vermittelt unterschiedliche Informationen.

Die Position beschreibt die ungefähre Richtung und Entfernung eines Menschen. Dabei wäre zwischen grober räumlicher Nähe und tatsächlich präziser Ortung zu unterscheiden.

Die Größe könnte anzeigen, wie stark oder vielfältig die gemeinsamen Interessen ausgeprägt sind.

Die Transparenz könnte beispielsweise die Aktualität einer Übereinstimmung oder den gewählten Sichtbarkeitsgrad repräsentieren.

Die Farben zeigen, in welchen Bereichen Gemeinsamkeiten bestehen.

Der Avatar verleiht der Blase eine menschliche Identität, ohne dass Nutzer zwingend ein echtes Foto veröffentlichen müssen.

Die Blasen sollen dabei tatsächlich wie Seifenblasen aussehen.

Mit transparenten Oberflächen, Lichtreflexionen, irisierenden Regenbogenfarben und einer subtilen Bewegung, die an schwebende Objekte erinnert.

So entsteht eine Oberfläche, die technisch informativ ist, gleichzeitig aber freundlich, emotional und beinahe spielerisch wirkt.

Was bedeuten die Farben?

Stell dir vor, jede Kategorie gemeinsamer Interessen besitzt eine eigene Farbfamilie.

Farbe Mögliche Bedeutung
🟣 Violett Musikgeschmack und Hörgewohnheiten
🔵 Blau Kreativität, Kultur und Medien
🟢 Grün Gesellschaft, Umwelt und Nachhaltigkeit
🟡 Gelb Hobbys, Freizeit und Aktivitäten
🟠 Orange Social-Media-Nutzung und digitale Gewohnheiten
🔴 Rot Besonders ausgeprägte thematische Überschneidungen

Die Farben könnten sich innerhalb einer Blase überlagern.

So könnte eine Person überwiegend violett und blau schimmern, während eine andere ein nahezu vollständiges Farbspektrum besitzt.

Die Intensität und Verteilung würden dabei mehr über die Art der Gemeinsamkeiten verraten als eine einzelne numerische Bewertung.

Wichtig wäre, dass Farben keine Bewertung des Menschen darstellen.

Eine kräftigere oder größere Blase bedeutet nicht, dass jemand interessanter oder wertvoller ist.

Sie zeigt lediglich, dass die Anwendung bestimmte Gemeinsamkeiten erkannt hat.

Und vielleicht könnte man die Visualisierung sogar umkehren: Statt möglichst ähnlicher Menschen ließen sich bewusst Personen entdecken, die andere Perspektiven mitbringen.

Denn nicht jede gute Begegnung beginnt mit Ähnlichkeit.


4. Was verbindet uns? Musik, Social Media und unsere digitalen Interessen

Die eigentliche Innovation liegt nicht nur in der Darstellung.

Sie liegt darin, welche Informationen wir verwenden, um Gemeinsamkeiten zwischen Menschen sichtbar zu machen.

Musik: Der unmittelbarste gemeinsame Nenner

Musik eignet sich besonders gut als Einstieg.

Sie begleitet uns im Alltag, transportiert Emotionen und ist häufig ein natürlicher Gesprächsanlass.

Social Bubbles könnte beispielsweise die letzten zehn gehörten Songs analysieren.

Auch die aktuell gespielte Musik oder die nächsten Titel einer Playlist könnten berücksichtigt werden, sofern der jeweilige Dienst diese Informationen bereitstellt.

Interessant wären unterschiedliche Ebenen der Übereinstimmung.

Vielleicht hören zwei Menschen denselben Song.

Vielleicht mögen sie dieselben Künstler.

Vielleicht teilen sie einen ähnlichen Musikgeschmack, obwohl sich ihre Playlists kaum überschneiden.

Oder beide entdecken besonders häufig neue Künstler aus ähnlichen Genres.

Ein KI-gestütztes Matching könnte diese Beziehungen unterschiedlich gewichten.

Statt einfach nur festzustellen, dass beide Menschen elektronische Musik mögen, könnte die Anwendung erkennen, dass sie bestimmte atmosphärische, experimentelle oder rhythmische Eigenschaften bevorzugen.

Die Verbindung würde dadurch persönlicher.

Social Media: Was interessiert uns wirklich?

Die zweite Dimension wären unsere digitalen Gewohnheiten.

Viele Menschen verbringen täglich Zeit auf Instagram, TikTok, YouTube, Reddit oder anderen Plattformen.

Dabei entstehen Informationen über Interessen, die sich im Laufe der Zeit verändern.

Vielleicht beschäftigt sich jemand gerade intensiv mit Architektur.

Eine andere Person recherchiert nachhaltige Ernährung.

Wieder jemand anderes entdeckt neue Technologien, künstlerische Ausdrucksformen oder politische und gesellschaftliche Ideen.

All diese Interessen könnten als mögliche Grundlage für neue Begegnungen dienen.

Allerdings würde ich bewusst zwischen verschiedenen Arten von Informationen unterscheiden.

Die bloße Tatsache, dass zwei Menschen Instagram oder TikTok verwenden, ist noch keine besonders aussagekräftige Gemeinsamkeit.

Interessanter wären ähnliche Nutzungsmuster, freiwillig angegebene Interessenkategorien oder ausdrücklich freigegebene Inhalte.

Zum Beispiel:

„Ihr interessiert euch beide für urbane Mobilität.“

„Ihr beschäftigt euch häufig mit neuen Technologien.“

„Ihr entdeckt ähnliche kreative Inhalte.“

Langfristig könnten auch Nutzungszeiten berücksichtigt werden.

Wer hört morgens Musik? Wer beschäftigt sich abends mit kreativen Themen? Wer sucht am Wochenende nach Veranstaltungen?

Solche Übereinstimmungen könnten Hinweise auf ähnliche Alltagsrhythmen geben, ohne konkrete persönliche Routinen offenzulegen.

Dabei gibt es eine entscheidende Einschränkung: Die Betriebssysteme und Plattformen erlauben keinen beliebigen Zugriff auf die Nutzungsdaten anderer Apps.

Gerade auf iOS sind entsprechende Schnittstellen stark durch Datenschutz- und Berechtigungskonzepte eingeschränkt. Apples Screen-Time-Technologien wurden primär für kontrollierte und datenschutzorientierte Anwendungsfälle geschaffen, nicht als allgemeine Schnittstelle zur Auswertung persönlicher Social-Media-Interessen. Apple Developer

Ein realistisches Produkt müsste deshalb mit freiwilligen Angaben, zulässigen Datenexporten und ausgewählten Plattformintegrationen beginnen.

Interessen, die nicht offensichtlich zusammengehören

Besonders spannend wird es, wenn künstliche Intelligenz unterschiedliche Interessen miteinander verbinden kann.

Stell dir vor, eine Person beschäftigt sich mit öffentlicher Infrastruktur und nachhaltiger Stadtentwicklung.

Eine andere entwickelt autonome Fahrzeuge.

Ein einfaches Matching würde möglicherweise nur wenige gemeinsame Schlagwörter finden.

Ein semantisches System könnte hingegen erkennen, dass beide Personen an unterschiedlichen Teilen derselben gesellschaftlichen Herausforderung arbeiten.

Es könnte erklären:

„Ihr beschäftigt euch beide damit, wie Mobilität in Städten effizienter und nachhaltiger gestaltet werden kann.“

Auf diese Weise würde Social Bubbles nicht nur bereits bekannte Gemeinsamkeiten erkennen.

Die App könnte Menschen helfen, überraschende Verbindungen zwischen ihren Interessen zu entdecken.

Nicht nur: Wer ist mir ähnlich? Sondern auch: Mit wem könnte ein interessantes Gespräch entstehen?


5. Aus digitaler Ähnlichkeit wird eine echte Begegnung

Kehren wir zurück in den Zug.

Du hast gerade entdeckt, dass eine Person wenige Meter entfernt ähnliche Musik hört und sich für dieselben Themen interessiert.

Was passiert als Nächstes?

Zunächst überhaupt nichts.

Denn Social Bubbles soll keine Anwendung sein, die Menschen dazu drängt, andere anzusprechen.

Jeder entscheidet selbst, ob er nur beobachten, Gemeinsamkeiten entdecken oder tatsächlich Kontakt aufnehmen möchte.

Von der Seifenblase zur Unterhaltung

Wenn du eine Blase auswählst, öffnet sich eine kleine Profilansicht.

Darin erscheinen ein Avatar, ausgewählte Gemeinsamkeiten und möglicherweise einige Gesprächsanlässe.

Zum Beispiel:

„Ihr habt beide in den vergangenen 48 Stunden Musik von Moderat gehört.“

„Ihr interessiert euch für nachhaltige Städte.“

„Ihr habt drei gemeinsame Interessenkategorien auf YouTube.“

Vielleicht könntest du der Person einen Song empfehlen, auf ein gemeinsames Interesse reagieren oder eine kurze Nachricht senden.

Eine Unterhaltung wird erst möglich, wenn beide Seiten zugestimmt haben.

Optional könnte die Anwendung einen Begegnungsmodus anbieten.

Damit signalisieren Menschen, dass sie gerade offen für ein persönliches Gespräch sind.

Andere Nutzer könnten weiterhin ausschließlich digital kommunizieren oder vollständig unsichtbar bleiben.

Diese Unterscheidung wäre wichtig, denn räumliche Nähe bedeutet nicht automatisch soziale Verfügbarkeit.

Unterschiedliche Formen der Verbindung

Nicht jede Begegnung verfolgt dasselbe Ziel.

Einige Menschen suchen neue Freundschaften. Andere möchten ihre musikalischen Interessen teilen, Menschen aus ihrer Branche kennenlernen oder einfach ihre Umgebung entdecken.

Deshalb könnte Social Bubbles verschiedene freiwillige Modi anbieten.

Ein Discovery-Modus zeigt interessante Gemeinsamkeiten, ohne eine direkte Kontaktaufnahme zu erwarten.

Ein Social-Modus ermöglicht spontane Gespräche und neue Freundschaften.

Ein Collaboration-Modus richtet sich an Menschen mit ähnlichen kreativen oder beruflichen Interessen.

Ein Event-Modus verbindet Menschen auf Veranstaltungen, Festivals, Konferenzen oder in Universitäten.

Diese Modi wären keine getrennten sozialen Netzwerke, sondern unterschiedliche Perspektiven auf dieselbe soziale Umgebung.

Das zentrale Prinzip bleibt erhalten:

Menschen sollen selbst bestimmen, wann, warum und wie sie miteinander in Kontakt treten.


6. Für wen könnte Social Bubbles interessant sein?

Die offensichtliche Zielgruppe sind Menschen, die gerne neue Kontakte knüpfen.

Doch die Möglichkeiten gehen deutlich darüber hinaus.

Pendler und Reisende

Jeden Tag verbringen Menschen Zeit in Zügen, Bussen, Flughäfen und Bahnhöfen.

Oft sitzen sie über längere Zeit in unmittelbarer Nähe zueinander, ohne miteinander zu sprechen.

Social Bubbles könnte aus dieser bisher anonymen Umgebung einen optionalen sozialen Begegnungsraum machen.

Eine Zugfahrt könnte zum Ausgangspunkt einer Freundschaft, einer kreativen Zusammenarbeit oder eines interessanten Gesprächs werden.

Menschen, die neu in einer Stadt sind

Wer in eine neue Stadt zieht, muss sich häufig erst ein soziales Umfeld aufbauen.

Bestehende Freundschaftsnetzwerke sind dabei nicht immer zugänglich.

Social Bubbles könnte helfen, Menschen in der Nachbarschaft zu entdecken, die ähnliche Interessen besitzen.

Nicht durch aufwendige Profilrecherchen oder organisierte Veranstaltungen, sondern beiläufig im Alltag.

Studierende und junge Berufstätige

Universitäten, Hochschulen und Coworking-Spaces sind Orte, an denen viele Menschen ähnliche Interessen verfolgen.

Trotzdem bleiben potenzielle Verbindungen häufig unentdeckt.

Ein solches System könnte fachliche Interessen, kreative Projekte und soziale Begegnungen miteinander verbinden.

Veranstaltungen und kulturelle Einrichtungen

Auf Festivals könnten Besucher andere Menschen entdecken, die ähnliche Künstler bevorzugen.

In Museen könnten sich Interessierte über Ausstellungen austauschen.

Auf Konferenzen könnten Teilnehmende anhand ihrer Themengebiete miteinander vernetzt werden.

Für Veranstalter entstünde damit eine zusätzliche Möglichkeit, Gemeinschaft und Interaktion zu fördern.

Städte und öffentliche Einrichtungen

Langfristig könnte die Anwendung auch eine interessante Ergänzung sozialer Infrastruktur werden.

Städte könnten freiwillige Begegnungsräume unterstützen, ohne selbst Zugriff auf individuelle Profile oder Bewegungsdaten zu erhalten.

Bibliotheken, Kulturzentren und Nachbarschaftsinitiativen könnten entsprechende Angebote integrieren.

Der öffentliche Raum würde dadurch nicht digital ersetzt, sondern um eine neue Ebene der sozialen Wahrnehmung ergänzt.


7. Ein neuer Markt zwischen Social Networking und realen Begegnungen

Natürlich gibt es bereits zahlreiche Anwendungen, die Menschen miteinander verbinden.

Deshalb ist die entscheidende Frage nicht, ob es einen Markt für soziale Netzwerke gibt.

Sondern ob innerhalb dieses Marktes ein bislang unzureichend erfülltes Bedürfnis existiert.

Ich sehe dieses Bedürfnis vor allem in der Verbindung von spontaner räumlicher Nähe, freiwilligen digitalen Interessen und tatsächlichen Begegnungen.

Bestehende Alternativen

Einige etablierte Angebote bedienen bereits Teile dieses Bedürfnisses.

Bumble For Friends verbindet Menschen in ihrer Umgebung, die neue Freundschaften suchen. Die Kontaktaufnahme basiert auf Profilen und gegenseitigem Interesse. BFF Support

Meetup organisiert Gemeinschaften und Veranstaltungen rund um gemeinsame Interessen. Menschen kommen gezielt zu Aktivitäten zusammen. Meetup

Timeleft bringt fremde Menschen bei organisierten Treffen wie gemeinsamen Abendessen, Drinks oder sportlichen Aktivitäten zusammen. Die Gruppenzusammensetzung wird algorithmisch unterstützt. Timeleft - Turn Strangers into Friends

Daneben existieren Dating-Plattformen, berufliche Netzwerke und interessenbasierte Online-Communities.

Alle erfüllen unterschiedliche Funktionen.

Social Bubbles würde versuchen, eine andere Situation abzudecken:

Die spontane Entdeckung von Menschen, die sich bereits zufällig in unserer Nähe befinden.

Anstatt eine Veranstaltung zu planen oder aktiv nach neuen Kontakten zu suchen, könnte man unterwegs feststellen, dass interessante Menschen bereits anwesend sind.

Die Anwendung wäre gewissermaßen eine soziale Wahrnehmungsschicht über unserem Alltag.

Warum sollte das besser sein als ein gewöhnliches soziales Netzwerk?

Der Unterschied besteht weniger in der technischen Möglichkeit, Menschen algorithmisch zu vergleichen.

Das tun andere Plattformen bereits.

Entscheidend wäre die Kombination mehrerer Eigenschaften:

Die räumliche Nähe schafft die Möglichkeit einer unmittelbaren Begegnung.

Aktuelle digitale Interessen bieten authentische Gesprächsanlässe.

Die spielerische Visualisierung erleichtert den Einstieg.

Und die freiwillige Kontaktaufnahme respektiert persönliche Grenzen.

Damit könnte ein Erlebnis entstehen, das sich weniger wie ein klassisches soziales Netzwerk und stärker wie eine Erweiterung unserer sozialen Wahrnehmung anfühlt.

Aber wollen Menschen das überhaupt?

Diese Frage ist wichtiger als jede Marktprognose.

Vielleicht finden viele Menschen die Idee interessant, möchten aber nicht selbst sichtbar werden.

Vielleicht verwenden sie die Anwendung einmal aus Neugier und danach nie wieder.

Vielleicht bevorzugen sie geplante Veranstaltungen gegenüber spontanen Begegnungen.

Oder die möglichen sozialen Hemmungen bleiben trotz Matching bestehen.

Deshalb wäre es falsch, die Existenz eines großen Social-Media-Marktes automatisch als Beleg für die Nachfrage nach Social Bubbles zu interpretieren.

Der Markt muss durch tatsächliches Nutzungsverhalten validiert werden.


8. Wie könnte die Technologie funktionieren?

Ein erster Prototyp wäre mit heutigen Technologien grundsätzlich umsetzbar.

Allerdings unterscheiden sich die technische Machbarkeit der Visualisierung und die Verfügbarkeit der erforderlichen Nutzungsdaten erheblich.

Die Erkennung der Umgebung

Die Smartphones teilnehmender Nutzer müssten zunächst feststellen können, welche anderen Personen sich in ihrer Nähe befinden.

Dafür kommen unterschiedliche Technologien infrage.

Bluetooth Low Energy ermöglicht eine energieeffiziente Erkennung naher Geräte.

GPS beziehungsweise andere Standortdienste können eine gröbere räumliche Einordnung liefern.

Ultra-Wideband könnte auf unterstützten Geräten präzisere Entfernungs- und Richtungsinformationen ermöglichen, ist jedoch nicht universell verfügbar und unterliegt Plattformbeschränkungen.

WLAN-basierte Verfahren könnten in bestimmten Umgebungen ergänzend helfen.

Keine dieser Technologien garantiert allein eine zuverlässige räumliche Darstellung in einem fahrenden Zug.

Besonders Richtungsangaben, wechselnde Empfangsbedingungen und die Unterscheidung zwischen Personen innerhalb und außerhalb eines Waggons wären Herausforderungen.

Deshalb könnte die Anwendung zunächst bewusst ungefähre Positionen darstellen.

Die Seifenblasen würden eher räumliche Nähe vermitteln als eine zentimetergenaue Ortung versprechen.

Die Analyse digitaler Gemeinsamkeiten

Ein zweiter technischer Bestandteil wäre das Matching.

Dafür könnten zunächst freiwillig ausgewählte Interessen und verfügbare Musikdaten verwendet werden.

Apple Music stellt beispielsweise eine Schnittstelle für kürzlich gehörte Songs bereit. Auch Spotify bietet eine entsprechende API mit autorisiertem Zugriff auf den Hörverlauf. Deren Verfügbarkeit ist jedoch an Authentifizierung, Zugriffsberechtigungen und Plattformbedingungen gebunden. Spotify for Developers

Für Social-Media-Interessen wären die Möglichkeiten wesentlich begrenzter.

Eine Anwendung kann nicht einfach sämtliche angesehenen TikTok-, Instagram- oder YouTube-Inhalte anderer Apps auslesen.

Deshalb würde ich das Matching schrittweise aufbauen.

Zunächst mit expliziten Interessen, anschließend mit unterstützten Integrationen und langfristig möglicherweise mit standardisierten Verfahren zur datenschutzfreundlichen Freigabe persönlicher Interessen.

Ein intelligentes Interessenmodell

Statt Rohdaten direkt zwischen Nutzern auszutauschen, könnten Informationen lokal in abstraktere Interessenkategorien umgewandelt werden.

Beispielsweise:

Musik: elektronische Musik, Ambient, Indie.

Interessen: Architektur, Mobilität, Nachhaltigkeit.

Medien: Technologie, Wissenschaft, Design.

Ein semantisches Modell könnte Ähnlichkeiten zwischen diesen Kategorien erkennen.

Dabei wäre wichtig, nicht einfach möglichst viele persönliche Informationen zu sammeln.

Das Ziel müsste sein, mit möglichst wenigen Informationen möglichst hilfreiche Verbindungen herzustellen.

Langfristig wären dafür stärker dezentrale Verfahren denkbar, bei denen persönliche Daten auf den Geräten verbleiben und nur begrenzte Matching-Ergebnisse ausgetauscht werden.

Solche Ansätze würden allerdings zusätzliche Forschung in den Bereichen Datenschutz, Sicherheit und verteilte Systeme erfordern.

Die visuelle Gestaltung

Die eigentliche Oberfläche könnte mit etablierten mobilen Technologien entwickelt werden.

React Native oder native iOS- und Android-Anwendungen wären mögliche Ansätze.

Für die Darstellung der Blasen kämen GPU-beschleunigte Animationen, Shader und physikalisch inspirierte Bewegungsmodelle infrage.

Die Blasen könnten sanft schweben, bei Annäherung reagieren und ihre Farben dynamisch verändern.

Dabei würde ich besonders auf eine zurückhaltende Ästhetik achten.

Die Anwendung soll nicht wie ein hektisches Videospiel wirken.

Sie soll eine ruhige, elegante und intuitive Erweiterung des Alltags sein.


9. Die größte Herausforderung ist nicht das Matching, sondern Vertrauen

Je stärker eine Anwendung persönliche Interessen und räumliche Nähe miteinander verbindet, desto größer wird ihre Verantwortung.

Eine schlecht konzipierte Version von Social Bubbles könnte erhebliche Risiken erzeugen.

Menschen könnten anhand wiederholter Standortabfragen verfolgt werden.

Persönliche Vorlieben könnten Rückschlüsse auf sensible Eigenschaften ermöglichen.

Nutzer könnten unerwünscht kontaktiert werden.

Und vermeintlich harmlose Übereinstimmungen könnten unbeabsichtigt private Informationen offenlegen.

Deshalb müsste Datenschutz Teil des eigentlichen Produkts sein.

Privacy by Design

Ich würde Social Bubbles nach dem Prinzip entwickeln, dass möglichst wenige persönliche Informationen überhaupt verarbeitet werden müssen.

Jeder Nutzer entscheidet freiwillig, ob und wann er sichtbar ist.

Die Sichtbarkeit könnte zeitlich begrenzt sein und beispielsweise automatisch nach einer Zugfahrt enden.

Anstelle genauer Koordinaten könnten grobe Entfernungsbereiche angezeigt werden.

Auch die Erkennung von Richtung und Entfernung müsste so gestaltet werden, dass daraus keine zuverlässige Nachverfolgung einzelner Personen entsteht.

Die eigentlichen Interesseninformationen sollten möglichst lokal verarbeitet werden.

Andere Nutzer erhalten keine vollständigen Aktivitätsverläufe, sondern nur ausgewählte und freigegebene Gemeinsamkeiten.

Darüber hinaus wären Funktionen zum Blockieren, Melden und Einschränken unerwünschter Kontakte unverzichtbar.

Gerade in öffentlichen Verkehrsmitteln müsste berücksichtigt werden, dass Menschen sich einer unangenehmen Begegnung nicht immer unmittelbar entziehen können.

Einwilligung ist mehr als ein Häkchen

In Europa unterliegen solche Datenverarbeitungen der Datenschutz-Grundverordnung.

Eine Einwilligung muss insbesondere freiwillig, informiert, eindeutig und auf bestimmte Zwecke bezogen sein. Sie muss außerdem widerrufen werden können. European Commission

Bei möglichen Rückschlüssen auf sensible persönliche Eigenschaften wäre besondere Vorsicht erforderlich.

Zusätzlich müssten die jeweiligen Nutzungsbedingungen externer Plattformen berücksichtigt werden.

Eine langfristig vertrauenswürdige Anwendung könnte deshalb nicht darauf beruhen, möglichst viele Daten unbemerkt zusammenzuführen.

Sie müsste darauf beruhen, dass Menschen selbst entscheiden können, welche Seiten ihrer digitalen Persönlichkeit sie sichtbar machen möchten.


10. Was würde die Entwicklung kosten?

Bis hierhin klingt Social Bubbles wie ein größeres soziales Netzwerk.

Das langfristige Potenzial wäre tatsächlich umfangreich.

Aber die erste Version müsste es nicht sein.

Ich würde bewusst mit einem kleinen, klar abgegrenzten Experiment beginnen.

Phase 1: Ein interaktiver Prototyp

Zunächst könnte eine Anwendung entstehen, die die wesentlichen Funktionen demonstriert.

Dazu gehören die Seifenblasen-Oberfläche, Avatare, ungefähre Entfernungen, einfache Interessenprofile und ein nachvollziehbares Matching.

Die ersten Nutzer könnten ihre Interessen manuell auswählen.

Damit ließe sich bereits testen, ob die visuelle Darstellung verständlich ist und ob Menschen tatsächlich Interesse an solchen Begegnungen besitzen.

Bei eigener Entwicklungsarbeit wäre ein erster klickbarer Prototyp mit vergleichsweise geringen externen Ausgaben realisierbar.

Ein funktionaler Test mit ausgewählten Nutzern könnte nach grober Planung folgende Ressourcen beanspruchen:

Entwicklungsphase Zeitrahmen Geschätzte Kosten
UX-Konzept und klickbarer Prototyp 2–4 Wochen 1.000–5.000 €
Funktionaler MVP 2–4 Monate 15.000–60.000 €
Pilotbetrieb mit echten Nutzern 2–3 Monate 10.000–40.000 €
Weiterentwicklung zur marktfähigen Anwendung 6–12 Monate 100.000–300.000 €

Die Beträge sind illustrative Planungsannahmen für einen kleinen Entwicklungsbetrieb, keine Marktangebote. Sie hängen erheblich davon ab, welche Leistungen selbst erbracht werden, welche Plattformen unterstützt werden und wie anspruchsvoll Standorterkennung, Datenschutz und Betrieb ausfallen.

Bei einem selbst entwickelten MVP könnten die tatsächlichen externen Ausgaben wesentlich niedriger liegen.

Allerdings würde die eingesetzte Arbeitszeit weiterhin einen wirtschaftlichen Wert besitzen.

Welche Ressourcen werden benötigt?

Für einen ersten Test wären insbesondere Produktdesign, mobile Entwicklung, Backend-Entwicklung und Kenntnisse der relevanten Plattform-APIs erforderlich.

Hinzu kämen Datenschutz- und Sicherheitskompetenzen.

Für einen größeren Pilotbetrieb wären außerdem Community Management, Nutzerforschung und die Zusammenarbeit mit geeigneten Veranstaltern oder Mobilitätspartnern sinnvoll.

Die grundlegenden technischen Bausteine sind vorhanden.

Was erst entwickelt und validiert werden müsste, ist ihre zuverlässige, sichere und gesellschaftlich akzeptierte Kombination.


11. Wie könnte Social Bubbles wirtschaftlich funktionieren?

Ein soziales Netzwerk benötigt langfristig eine wirtschaftliche Grundlage.

Gleichzeitig wäre es problematisch, wenn Social Bubbles dieselben Anreize entwickeln würde wie manche aufmerksamkeitsgetriebenen Plattformen.

Denn das Produkt soll Menschen helfen, ihren Bildschirm zu verlassen.

Eine Finanzierung, die möglichst lange Bildschirmzeiten belohnt, würde diesem Ziel widersprechen.

Ein alternatives Geschäftsmodell

Die grundlegende Entdeckung anderer Menschen könnte kostenlos bleiben.

Optionale kostenpflichtige Funktionen könnten beispielsweise erweiterte Interessenfilter, besondere Community-Funktionen oder zusätzliche Möglichkeiten zur Gestaltung des eigenen Profils umfassen.

Dabei sollten grundlegende Sicherheit, Sichtbarkeitseinstellungen und die Möglichkeit zur Kontaktaufnahme nicht von einer Zahlung abhängig sein.

Interessanter erscheint mir allerdings ein zweites Geschäftsmodell.

Social Bubbles für Veranstaltungen und Gemeinschaften

Universitäten, Konferenzen, Festivals, Coworking-Spaces und kulturelle Einrichtungen könnten Social Bubbles als freiwillige soziale Infrastruktur anbieten.

Ein Festivalveranstalter könnte Besuchern helfen, Menschen mit ähnlichem Musikgeschmack zu entdecken.

Eine Universität könnte fachübergreifende Kontakte erleichtern.

Ein Coworking-Space könnte Mitglieder mit ergänzenden Kompetenzen verbinden.

Die Finanzierung könnte über Veranstalterlizenzen oder zeitlich begrenzte Nutzungspakete erfolgen.

Dabei würden Organisationen für die Bereitstellung der Infrastruktur bezahlen, nicht für den Zugriff auf persönliche Nutzerprofile.

Ein solches B2B-Modell hätte einen weiteren Vorteil:

Neue Nutzer befinden sich bereits innerhalb eines gemeinsamen räumlichen und sozialen Kontexts.

Das könnte die anfängliche Herausforderung verringern, genügend aktive Nutzer an einem Ort zusammenzubringen.

Warum die Nutzerdichte entscheidend ist

Eine Anwendung wie Social Bubbles besitzt ein ausgeprägtes Netzwerkproblem.

Wenn ich die App öffne und niemand in meiner Umgebung sichtbar ist, habe ich zunächst wenig davon.

Selbst wenn weltweit eine Million Menschen registriert wären, könnte die Anwendung auf meiner konkreten Zugfahrt leer bleiben.

Deshalb wäre ein großflächiger Start vermutlich weniger sinnvoll als ein konzentrierter Pilotbetrieb.

Ein Festival mit einigen Tausend Gästen oder eine Universität könnte wesentlich aussagekräftigere Ergebnisse liefern als ein deutschlandweiter Start mit verstreuten Nutzern.

Die relevante Größe ist nicht die Anzahl registrierter Nutzer, sondern die Wahrscheinlichkeit, zur richtigen Zeit am richtigen Ort eine interessante Verbindung zu finden.


12. Welche Risiken würde ich bewusst eingehen?

Ich halte es für wichtig, Innovationen nicht nur anhand ihrer möglichen Erfolge zu bewerten.

Ebenso entscheidend ist, wie viel Zeit, Geld und Aufmerksamkeit wir bereit sind einzusetzen, bevor wir wissen, ob eine Idee tatsächlich funktioniert.

Für Social Bubbles würde ich deshalb einen Ansatz verfolgen, der sich am Prinzip des Affordable Loss orientiert.

Nicht zuerst fragen:

Wie groß könnte dieses Unternehmen eines Tages werden?

Sondern:

Was können wir vertretbar investieren, um die wichtigsten Annahmen zu überprüfen?

Ein begrenztes erstes Experiment

Für einen eigenständig entwickelten Prototyp könnte ich mir beispielsweise ein Budget von 5.000 bis 15.000 Euro an externen Ausgaben vorstellen.

Dazu kämen zwei bis drei Monate konzentrierter Entwicklungs- und Testarbeit.

Diese Grenze wäre kein allgemeingültiges Budget, sondern ein möglicher Entscheidungsrahmen für ein kleines Gründerteam mit vorhandener Entwicklungskompetenz.

Der Prototyp müsste zunächst drei Fragen beantworten:

Erstens: Verstehen und mögen Menschen die Darstellung?

Finden sie die Seifenblasen intuitiv, oder benötigen sie eine gewöhnliche Karten- beziehungsweise Listenansicht?

Zweitens: Sind Menschen bereit, sich freiwillig sichtbar zu machen?

Eine Anwendung kann technisch hervorragend funktionieren und dennoch daran scheitern, dass Menschen ihre persönliche Sichtbarkeit nicht wünschen.

Drittens: Entstehen tatsächlich neue soziale Kontakte?

Das wäre die wichtigste Frage.

Denn wenn die App zwar regelmäßig geöffnet wird, aber keine positiven Begegnungen entstehen, erfüllt sie ihren eigentlichen Zweck nicht.

Wie ließe sich das testen?

Ich würde mit einem kleinen, geschlossenen Pilotversuch beginnen.

Beispielsweise mit 50 bis 100 freiwilligen Teilnehmern bei einer Veranstaltung oder in einem Coworking-Space.

Alle erhalten die Möglichkeit, ein Interessenprofil anzulegen und für einen begrenzten Zeitraum sichtbar zu werden.

Anschließend würde untersucht, wie viele Personen die Anwendung öffnen, freiwillig Kontakte initiieren und tatsächlich positive Begegnungen erleben.

Besonders interessant wäre ein Vergleich mit einer Kontrollgruppe, die dieselben Informationen ohne räumliche Seifenblasen-Darstellung erhält.

So ließe sich feststellen, ob das eigentliche Visualisierungskonzept einen messbaren Mehrwert bietet.

Vorab könnten beispielsweise folgende experimentelle Erfolgskriterien definiert werden: Mindestens 60 % der Teilnehmer verstehen die Oberfläche ohne längere Erklärung, mindestens 40 % aktivieren freiwillig ihre Sichtbarkeit und mindestens 20 % berichten von einer neuen, willkommenen Unterhaltung.

Diese Zahlen wären bewusst gesetzte Testhypothesen, keine bereits belegten Erfolgswerte.

Sollten sie deutlich verfehlt werden, müsste das Konzept verändert oder gegebenenfalls beendet werden.

Die größten Unsicherheiten

Ich sehe vier zentrale Herausforderungen.

Die erste ist das tatsächliche soziale Bedürfnis.

Die zweite ist die Bereitschaft zur freiwilligen Sichtbarkeit.

Die dritte betrifft die Verfügbarkeit und Aussagekraft digitaler Interessendaten.

Die vierte ist die Frage, ob positive Begegnungen entstehen, ohne gleichzeitig neue Formen sozialer Belästigung oder Überwachung zu ermöglichen.

Erst wenn diese grundlegenden Fragen zufriedenstellend beantwortet sind, wäre eine größere Investition sinnvoll.


13. Was wäre, wenn das Experiment funktioniert?

Stellen wir uns vor, der erste Pilotversuch verläuft erfolgreich.

Menschen entdecken interessante Gemeinsamkeiten, tauschen sich aus und berichten von Begegnungen, die ohne die Anwendung nicht entstanden wären.

Was könnte daraus werden?

Heute: Eine Idee wird erlebbar

Der erste Erfolg wäre ein funktionierender Prototyp.

Nicht die Anzahl der Features wäre entscheidend, sondern die Qualität einer einzigen Erfahrung.

Ein Mensch öffnet die Anwendung, entdeckt jemanden in seiner Nähe und entscheidet sich freiwillig für eine Kontaktaufnahme.

Aus einer digitalen Information entsteht eine positive soziale Erfahrung.

Damit wäre der Kern des Konzepts erstmals überprüfbar.

In fünf Jahren: Ein neues Werkzeug für soziale Begegnungen

Bis 2031 könnte Social Bubbles, falls die frühen Tests erfolgreich sind, in unterschiedlichen sozialen Räumen eingesetzt werden.

Vielleicht beginnen erste Universitäten, Coworking-Spaces und Festivals damit, die Anwendung als optionales Begegnungswerkzeug anzubieten.

Vielleicht entstehen Kooperationen mit öffentlichen Verkehrsbetrieben.

Menschen könnten ihre Interessenprofile über verschiedene Orte hinweg nutzen, ohne ihre persönlichen Daten jedes Mal vollständig neu eingeben zu müssen.

Die Technologie würde zunehmend verstehen, wann eine Verbindung interessant sein könnte.

Nicht nur aufgrund statischer Ähnlichkeiten, sondern anhand aktueller Interessen und situativer Bedürfnisse.

Die eigentliche Leistung wäre jedoch, Vertrauen aufzubauen.

Menschen müssten wissen, dass sie jederzeit selbst bestimmen können, ob sie sichtbar sind.

In 25 Jahren: Eine soziale Ebene unserer Umgebung

Im Jahr 2051 könnten digitale Informationen wesentlich selbstverständlicher mit unserer physischen Umgebung verbunden sein.

Vielleicht tragen wir leichte AR-Brillen oder verwenden andere Interfaces, die Informationen dezent in unser Blickfeld integrieren.

Social Bubbles könnte sich dadurch von einer Smartphone-Anwendung zu einer optionalen räumlichen Schnittstelle weiterentwickeln.

Wenn wir ein Café betreten, könnten wir auf Wunsch erkennen, ob sich dort Menschen mit ähnlichen Interessen befinden.

Bei einem wissenschaftlichen Kongress könnten relevante fachliche Verbindungen sichtbar werden.

Auf Reisen könnten Menschen mit ähnlichen kulturellen Interessen einfacher zueinanderfinden.

Dabei würden die persönlichen Informationen idealerweise nicht einer zentralen Plattform gehören.

Stattdessen könnten Nutzer über eine interoperable digitale Identität selbst bestimmen, welche Interesseninformationen sie für bestimmte Situationen freigeben.

Social Bubbles wäre dann möglicherweise weniger eine einzelne Anwendung als ein offener technischer Standard.

Ein Standard, über den Menschen ihre sozialen Interessen freiwillig, sicher und situationsbezogen miteinander abgleichen können.

In 100 Jahren: Gesellschaftliche Nähe als Teil unserer Infrastruktur

Wie könnten soziale Beziehungen im Jahr 2126 aussehen?

Natürlich lässt sich kaum vorhersagen, welche Technologien in einem Jahrhundert existieren werden.

Vielleicht werden digitale und physische Räume dann noch enger miteinander verschmelzen.

Vielleicht werden unsere heutigen Smartphones so ungewöhnlich erscheinen wie uns heute frühe Mobiltelefone.

Aber das menschliche Bedürfnis nach Zugehörigkeit, Austausch und Gemeinschaft dürfte weiterhin eine bedeutende Rolle spielen.

Ich könnte mir eine Welt vorstellen, in der das Entdecken gemeinsamer Interessen genauso selbstverständlich möglich ist wie heute das Abrufen einer Wegbeschreibung.

Nicht als permanente Offenlegung unserer Persönlichkeit.

Sondern als bewusst aktivierbare Fähigkeit.

Menschen könnten sich leichter über kulturelle, sprachliche und gesellschaftliche Grenzen hinweg begegnen.

Neue Gemeinschaften könnten dort entstehen, wo bisher kaum soziale Verbindungen existieren.

Vielleicht würde es einfacher, in einer fremden Stadt Anschluss zu finden.

Vielleicht könnten sich Menschen mit ähnlichen Herausforderungen gegenseitig unterstützen.

Oder kreative und wissenschaftliche Ideen würden häufiger entstehen, weil Menschen mit ergänzenden Perspektiven zufällig aufeinandertreffen.

Das wäre keine Garantie für eine harmonischere Gesellschaft.

Technologie allein kann weder soziale Ungleichheit noch Ausgrenzung oder Einsamkeit beseitigen.

Aber sie könnte Begegnungen ermöglichen, für die uns heute häufig die richtigen Werkzeuge fehlen.

Die langfristige Vision wäre eine Gesellschaft, in der digitale Vernetzung unsere physische und soziale Nähe erweitert, anstatt sie zunehmend zu ersetzen.


14. Der Weg dorthin beginnt mit einer einfachen Frage

Kehren wir noch einmal zu unserer Zugfahrt zurück.

Du sitzt am Fenster.

Neben dir steht ein Becher Kaffee. Auf deinem Smartphone läuft Musik.

Um dich herum befinden sich Menschen, deren Namen du nicht kennst und deren Geschichten dir verborgen bleiben.

Du öffnest Social Bubbles.

Ein paar transparente Seifenblasen erscheinen.

Eine schimmert violett, weil ihr ähnliche Musik hört.

Eine andere besitzt einen kräftigen grünen Farbverlauf, weil ihr euch beide für Nachhaltigkeit interessiert.

Und eine dritte leuchtet in fast allen Farben des Regenbogens.

Du tippst darauf.

Die Anwendung zeigt dir keine aufwendig inszenierte Persönlichkeit, keine Followerzahl und keine öffentliche Bewertung.

Nur einige Gemeinsamkeiten.

Vielleicht sendest du eine Nachricht.

Vielleicht entsteht eine Unterhaltung.

Vielleicht entwickelt sich daraus eine Freundschaft.

Oder eine Zusammenarbeit an einem Projekt, das keiner von euch allein begonnen hätte.

Möglicherweise passiert auch überhaupt nichts.

Und das wäre ebenfalls vollkommen in Ordnung.

Denn die Anwendung sollte nicht entscheiden, mit wem wir sprechen.

Sie sollte lediglich eine Möglichkeit schaffen, Verbindungen wahrzunehmen, die bisher unsichtbar geblieben sind.

Die nächsten Schritte

Wenn ich Social Bubbles tatsächlich entwickeln würde, würde ich nicht mit einer vollständigen Social-Media-Plattform beginnen.

Ich würde zunächst die Seifenblasen-Darstellung als interaktiven Prototyp umsetzen und mit wenigen freiwillig angegebenen Interessenkategorien kombinieren.

Anschließend würde ich prüfen, ob sich eine Musikdienstintegration sinnvoll und regelkonform ergänzen lässt.

Darauf könnte ein geschlossener Pilotversuch folgen.

Erst wenn sich zeigt, dass Menschen das Produkt nicht nur interessant finden, sondern tatsächlich positive Begegnungen erleben, würde ich zusätzliche Datenquellen, intelligente Matching-Verfahren und weitere Einsatzbereiche entwickeln.

Denn am Ende geht es nicht darum, eine besonders komplexe technische Lösung zu bauen.

Es geht um eine einfache gesellschaftliche Frage:

Was wäre, wenn wir die Informationen, die unsere digitalen Plattformen heute über unsere Interessen verarbeiten, nicht hauptsächlich dazu verwenden würden, uns weitere Inhalte zu zeigen – sondern um uns die Menschen näherzubringen, mit denen wir unsere Welt bereits teilen?

Vielleicht braucht es dafür keine weitere endlose Timeline.

Keine weiteren Likes.

Und auch keinen Algorithmus, der möglichst viel unserer Aufmerksamkeit beansprucht.

Vielleicht reicht ein kleines Fenster in unsere unmittelbare Umgebung.

Ein paar schillernde Seifenblasen.

Und die Möglichkeit, darin jemanden zu entdecken, den wir sonst niemals kennengelernt hätten.


Social Bubbles – From Digital Similarities to Real Connections

Eine Vision für ein soziales Netzwerk, das nicht unsere Aufmerksamkeit, sondern unsere Begegnungen in den Mittelpunkt stellt.

Die grundlegende Idee: Unsere digitalen Gemeinsamkeiten sollten nicht nur bestimmen, welche Inhalte wir als Nächstes sehen. Sie könnten uns auch helfen, die Menschen kennenzulernen, die direkt neben uns sitzen.

Fotorealistische Szene im Zug: Fahrgäste mit Kopfhörern an den Fenstern, über ihnen schweben schillernde Seifenblasen mit Avataren, eine Person hält ein Smartphone mit einer Blasenkarte.

Scores

Five dots per dimension. On risk axes, more dots mean more risk.

Sustainability and environmental protection
Economics
Engineering risk
Social risk

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